Radreise - 1. Tag

Radreise

Fotos: Papoulias/Biber

Das wilde, wilde Allgäu ...

...  fängt gleich hinter Lindau an...

1. Tag: Lindau - Grünenbach-Schönau, 51,4 km, 530 Höhenmeter

Es ist soweit: Heute geht's auf den Bodensee-Königssee-Radweg! Strahlende Sonne und sicherlich auch die Aufregung schmeißen uns ab halb sieben nacheinander aus den Federn, und nach einem reichhaltigen Frühstück (mit erstaunlich starkem Kaffee!) schlüpfen wir zum ersten Mal in die Radelklamotten. Die Drahtesel sind schnell bepackt, und dann geht es erst einmal ganz lässig wieder bergab nach Lindau. Hier lassen wir es uns natürlich nicht nehmen - und das sollte niemand tun -, auf die Insel zu fahren und uns die vom bayerischen Löwen und Leuchtturm flankierte Hafeneinfahrt anzuschauen. Überhaupt ist Lindau ein echtes Kleinod. Und wir haben an diesem Tag sogar das Glück, den Säntis zu sehen: Der mit 2.500 Metern höchste Berg der Ostschweiz erscheint nur bei idealer Fernsicht am Horizont.

Als wir uns an einem Kiosk noch mit Mineralwasser eindecken, fragt uns ein drahtiger Bartträger in Shorts, Turn- schuhen und mit Bierflasche in der Hand: "Wo wollt's 'n ihr hin?" "Zum Königssee", erklärt Atha freundlich. "Ah, jo, kenn i! Bin i auch scho g'fahrn." Ach was?! "Jo", er deutet auf ein Trekkingrad, das an einem Zaun lehnt, "und heut früh bin i von Memmingen her rübergeradlt." 75 Kilometer?! Es war gerade mal zehn Uhr!? "I bin holt um fünfe los. Und jetz trink i mir erstmo a Bier!" Nach Rom sei er schon mit dem Rad gefahren, nach Lourdes und Fatima und just in diesem Frühjahr aus dem türkischen Antalya nach Hause. An die 15.000 Kilometer radele er im Jahr. Whow! Wir ziehen den imaginären Hut - und hoffen, dass man's auch mit ein bisschen weniger Kondition bis Berchtesgaden schafft...

Jetzt aber los! Wir schlagen Kurs Bregenz ein und stoßen nach wenigen Kilometern auf das erste "Bodensee-Königssee-Radweg"-Schildchen, das uns fortan - assistiert von einem kleinen blauen Aufkleber mit weißem "y", dem Symbol für das bayerische Radwandernetz - den rechten Weg weisen soll. Jener führt uns jetzt ein ganzes Stück an der Grenze entlang - nur ein paar Meter entfernt beginnt das österreichische Vorarlberg. Ein witziges Gefühl! Die Sonne strahlt, es wird immer wärmer, und die Landschaft wandelt sich allmählich zur typischen Allgäuer Kulisse mit ihren sanften, grasbewachsenen Hügeln. "Als hätte der liebe Gott genau hier die Farbe Grün erfunden", definiert Olli den herrlichen Anblick. Wie wahr - unsere "grünen Lungen" im Ruhrpott wirken dagegen wie müde Ausläufer...
Und dann, wir nähern uns dem Örtchen Sigmarszell, kommt sie: die erste richtig fette Steigung! Einen Moment lang hört man fast synchrones Rattern - wir schalten ehrfürchtig in die niedrigen Gänge. Puh! Was für eine Rampe! Als wir ein paar Minuten später oben ankommen, zeigen unsere T-Shirts bereits erste dunkle Flecken, und wir grinsen uns atemlos an - das war nur der Anfang! Soviel zu den so sanft anmutenden grünen Hügeln...

Wir durchfahren die kleinen, reizenden Ortschaften Hergatz und Maria Thann, schmeißen uns an einem Dorfbrunnen eiskaltes Wasser ins Gesicht und machen kurze Trinkpause in einem urigen Gasthof, an dessen Fenster- laden uns ein Schild vor "Dachlawinen" warnt - ich kann nicht behaupten, dass eine solche angesichts der Tem peraturen, die inzwischen die 30-Grad-Marke geknackt haben, unwillkommen wäre...

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