Zeit zum Abschiednehmen

Altar

Fotos: Steffi Biber

Seit 20 Jahren begleitet das Hospiz „Zum Heiligen Franziskus“ unheilbar erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

Da war der Mann, der so gerne noch einmal mit einer Modelleisenbahn spielen wollte. Ein Herzenswunsch, den er schon eine ganze Weile hegte. Jetzt war der ersehnte Moment gekommen: Ein privater Sammler baute ihm eine große Anlage auf, an der er nach Herzenslust die kleinen Bahnen durch die Miniaturlandschaft bewegen konnte.

„Das sind Momente“, sagt Barbara Sonntag, „die unglaublich erfüllend sind.“ Die Trost spenden in einem Abschnitt des Lebens, in dem es keinen Trost zu geben scheint. Weil es der letzte Abschnitt ist. Der begeisterte Eisenbahner ist wenige Tage später gestorben, mit 65 Jahren.


Es ist Mittagszeit. Stimmen, Lachen, das Klappern von Geschirr und Besteck. Eine forsche Märzsonne taucht den hellen, offenen Eingangsbereich in frühlingshaftes Licht, Efeu rankt sich satt an den Geländern hinab. Keine Spur von bedrückender Stille oder steriler Klinikatmosphäre. Dieses Haus ist lebendig. „Viele unserer Patienten haben ihre Zimmertür jetzt offenstehen“, weiß Barbara Sonntag. Sie ist Leiterin des Hospizes „Zum Heiligen Franziskus“ in Recklinghausen.


Eine Reise ins italienische Assisi war es, die Norbert Homann, Dechant Hans Overkämping und Schwester M. Reginalda dazu inspirierte, diese Einrichtung im Ruhrgebiet zu gründen – ein Pionierakt, der die Hospizbewegung in Deutschland nachhaltig prägen sollte. Im Oktober 1986 konnte das Hospiz „Zum Heiligen Franziskus“ in Recklinghausen seinen Dienst aufnehmen. Die ursprüngliche Idee dieser Institutionen ist es, unheilbar erkrankten Menschen ein Sterben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen, ihnen die Gelegenheit zu geben, so lange wie möglich vertraute Gewohnheiten beizubehalten und bei geliebten Menschen zu verweilen. Die beiden Säulen sind dabei der ambulante Hospizpflegedienst sowie die stationäre Aufnahme.


„Der Alltag wird von den Patienten selbst bestimmt, das gilt auch hier in unserem Hause“, so Barbara Sonntag. „Es gibt hier keine Routine im eigentlichen Sinne. Die Patienten stehen auf, wann sie möchten, und das kann jeden Tag anders sein. Sie dürfen die Nacht zum Tag machen, dürfen essen, wann sie wollen. Zwar haben wir da schon gewisse Kernzeiten, so dass die Auswahl unter Umständen etwas eingeschränkter ist, aber im Prinzip geht alles.“ Eben wie zuhause. Und gleiches gilt für die Besuchszeiten. Angehörige und Freunde können kommen, wann, und bleiben, solange sie möchten. Es gibt Gästezimmer, so dass sie rund um die Uhr da sein können. Der einzige, der hier Limits setzen kann, ist der Patient.


Insgesamt 29 Mitarbeiter, davon 16 examinierte Pflegekräfte, sind dabei rund um die Uhr für den Patienten, aber auch für die Angehörigen da. „Diese sind uns so wichtig wie die Patienten selbst“, erklärt Barbara Sonntag. „Sie werden von uns begleitet und betreut, haben jederzeit die Möglichkeit zum Gespräch. Die Seelsorge ist Aufgabe eines jeden von uns.“

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